Autor Thema: Vom Zauber "reiner" Intervalle  (Gelesen 62 mal)

erich

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Vom Zauber "reiner" Intervalle
« am: Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:18 »
Hallo allen!

Wie ich hier schon verschiedentlich geschrieben habe, befasse ich mich mit Darstellungsmöglichkeiten für eine reinere Intonation und habe dazu QuintGen, als einem Dialekt von LilyPond,  entwickelt.

Georg Friedrich Haas (* 1953), ein österreichischer Komponist, führt in einem Interview nebenbei zur Intonation etwas aus, das mich in meinem Bemühen bestärkt: in QuintGen bewegen sich die maximalen Unterschiede zur reinen Stimmung unterhalb von einem Cent.

Zitat aus: http://musiksalon.universaledition.com/de/artikel/vom-zauber-reiner-intervalle

Das Zweite Streichquartett, das 1998 im Wiener Konzerthaus uraufgeführt wurde, habe ich für das Hagen-Quartett geschrieben, das der Moderne gegenüber sehr aufgeschlossen ist, aber dessen Schwerpunkt doch eher in der Vergangenheit liegt. Clemens Hagen, der auch der erste Solist meines Cellokonzerts war, hat mir später erzählt, die Musiker verwenden den Ausdruck Haas-Intonation, wenn sie romantische oder klassische Musik in reiner Intonation spielen.

Es wurde ihnen also durch die ­Auseinandersetzung mit meinem Stück auch die Problematik bewusst gemacht, mit der sie in der anderen Musik auch zu tun haben. Meine große Hoffnung ist, dass das auch in den Orchestern verstanden wird, obwohl das dort durch die Gruppengrößen noch viel schwerer zu erreichen ist. Dass denen auch klar wird, dass ich genau mit dem arbeite, womit sie sich bei Schubert und Bruckner herum­schlagen. Die Aufführungsqualität würde davon sehr profitieren. Streicher oder Bläser müssen (und mussten) ja auch bei tonaler Musik mikrotonal intonieren, um ausdrucksstark spielen zu können. Das ist ja das Interessante, dass die Komponisten das immer den Interpreten überlassen haben, das mag damit zu tun haben, dass man dafür eine eigene Notenschrift hätte erfinden ­müssen. Aber das sind Bereiche, die den Instrumentalisten aus der tonalen Musizierpraxis beim Ausstimmen von Akkorden durchaus vertraut sind. Und wo kompositorisch noch sehr viel zu finden ist.

Gruß
Erich