Autor Thema: Notation ohne TaktTaktstriche und Notenhälse  (Gelesen 1307 mal)

Milaslittlelife

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Notation ohne TaktTaktstriche und Notenhälse
« am: Mittwoch, 28. Februar 2018, 15:11 »
Hallo,

ich soll für eine Seminararbeit eine Orginalhandschrift aus dem 16. Jahrhundert neu editieren. Den Text und die Noten handschriftlich zu transkribieren ging gut, allerdings stehe ich jetzt vor dem Problem die rhythmuslose einstimmige Aufzeichnung eines geistlichen
Spieles zu digitalisieren, da jedes Notensatzprogramm ja eigentlich darauf ausgelegt ist, Partituren in normale Notation zu setzen. Ich weiß, dass es mir mit Lilypond möglich sein sollte, durch bestimmte Befehle die Taktart, Taktstriche und Notenhälse weg zu bekommen (ich bruache quasi den Notenkopf einer viertelnote nur ohne den Hals), allerdings schaffe ich es einfach nicht. Zumindest nicht, ohne eine Fehlermeldung zu bekommen oder ohne das plötzlich Noten verschwinden. Ich bin auch noch kompletter Neuling was den Umgang mit solchen codes angeht. Kann mir hier jemand helfen?
 
Mit folgendem Code bekomme ich nach dem engraven die Meldung "fatal error: failed files: "c:\\users\\michi\\appdata\\local\\temp\\frescobaldi-jzc_3t\\tmpe3tzff\\document.ly"
Wurde mit dem Return-Code 1 beendet."  und das "h" zwischen den beiden As fehlt

\version "2.18.2"

% first attempt

\language english

\relative c'

<<
    \new Staff \with {
      \remove "Time_signature_engraver"
      \remove "Bar_engraver"
    }
     { f f d e f f f f a h a f g
     }
>>

Malte

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Antw:Notation ohne TaktTaktstriche und Notenhälse
« Antwort #1 am: Mittwoch, 28. Februar 2018, 15:40 »
Hallo Milaslittlelife,

willkommen im Forum! Zunächst zur Fehlermeldung: Du hast den \language-Befehl verwendet, um englische Tonnamen einzustellen. Das h heißt auf englisch b, entsprechend müßtest du also auch b schreiben. Oder alternativ eben
\language "deutsch"
einstellen.

Dann zu deinem eigentlichen Anliegen: Es gibt verschiedene Ansätze, die sich ein bißchen in den Details und in der Anwendung unterscheiden. Ich schlage jetzt einfach mal folgendes vor, Erklärung folgt unten:\version "2.18.2"
\language "deutsch"

\layout {
  \context {
    \Score
    timing = ##f
    barAlways = ##t
    defaultBarType = ""
  }
  \context {
    \Staff
    \omit TimeSignature
  }
  \context {
    \Voice
    \omit Stem
  }
}

\relative {
  f' f d e f f f f a h a f g
  \repeat unfold 200 c
}
Die einzelnen Änderungen erklärt:
  • timing = ##f oder alternativ an der selben Stelle \cadenzaOnstellt das Timing aus, sodaß keine Taktart mehr ausgeführt wird. Das bedeutet u. a., daß nicht automatisch nach einem Takt (Standard: 4/4) ein Taktstrich gesetzt wird. Für kurze Notenbeispiele ist das ausreichend, für längere (mehr als eine Zeile) sind die folgenden beiden Punkte noch relevant.
  • Damit LilyPond Zeilenumbrüche machen kann, müssen Taktstriche existieren. Es gibt die Möglichkeit, von Hand „leere“ Taktstriche in die Musik einzusetzen per \bar "". Alternativ kann man nach jeder Note automatisch einen Taktstrich setzen lassen, das macht barAlways = ##t
  • defaultBarType = "" sorgt nun dafür, daß diese automatisch gesetzten Taktstriche solche leeren/unsichtbaren und keinen Platz verbrauchenden Taktstriche sind.
  • \remove Time_signature_engraver oder, wie hier, \omit TimeSignature entfernt die Taktart (Details zu Unterschieden kann ich auf Nachfrage gern bringen).
  • \remove Stem_engraver oder \omit Stem entfernt Notenhälse.
Ich habe hier alles in einen \layout-Block gepackt. Stattdessen könnte man aber auch mit \with-Blöcken arbeiten, wie du es getan hast. Hier der äquivalente Code:\version "2.18.2"
\language "deutsch"

\new Score \with {
  timing = ##f
  barAlways = ##t
  defaultBarType = ""
  \omit TimeSignature
  \omit Stem
} \relative {
  f' f d e f f f f a h a f g
  \repeat unfold 200 c
}
Auch hier: falls dich die detaillierten Unterschiede zwischen den beiden Versionen interessieren, sag bescheid :)

Ach ja, und eine Kleinigkeit noch: Bitte nutze code-Tags (hier wird beschrieben, wie das geht) für LilyPond-Code, das erleichtert das Kopieren ;)
Fugen komponier ich so selten …